Was verschlägt dich denn nach Al Hamra?
So oder so ähnlich werde ich eigentlich von jedem Gast gefragt, sobald sie mich beim Check-in kennenlernen. Ich gebe zu, Al Hamra ist nicht gerade der Ort, wo man eine Berlinerin erwartet, die dann auch noch ein Gästehaus leitet. Aber genau hier bin ich.
Ich liebe das Reisen wegen der Menschen, die ich dabei treffe, und wegen der Kultur, die ich dadurch kennenlerne. Jetzt darf ich etwas tun, das ich ehrlich gesagt nicht kommen sah: andere Reisende so willkommen heißen, wie ich selbst willkommen geheißen wurde, in mehreren Dutzend Ländern.
Warum Oman? Ich bin seit 2013 in der Region und bin schon hunderte Male übers Wochenende in den Oman gekommen — zum Wandern, zum Abschalten vom geschäftigen Leben in Dubai, zum Campen. Oman hat uns immer da abgeholt, wo man zur Ruhe kommen konnte: die Natur genießen, so warmen und freundlichen Menschen begegnen, nicht künstlich, sondern authentisch.
2023 haben wir endlich Bait al Aali eröffnet, ein 300 Jahre altes Lehmhaus im Herzen vom alten Al Hamra, umgeben von anderen 300 Jahre alten Lehmhäusern — manche zerfallen, die meisten unbewohnt, manche renoviert, aber alle mit einem gewissen Charme. Auf der anderen Seite liegt die Palmenoase, durch die man bei der Anreise fahren muss. Wohl die schönste Einfahrt, die man sich wünschen kann. Die Palmen füllen sich über den Sommer mit Datteln und lassen den Wind durch ihre Wipfel ziehen, geben etwas Kühle in der Hitze. Von der Dachterrasse hat man den Rundumblick auf die Spitze des Jebel Shams und die Palmenwipfel. Hier kann man zur Ruhe kommen, lesen, sich austauschen, den Sonnenuntergang genießen — oder als früher Vogel auch den Sonnenaufgang.
Im Eingang wird man von unserer Fußmatte empfangen, die sagt: "Come as guests, leave as friends." Und genau dieses Gefühl haben wir schon mit vielen unserer Gäste geteilt.
Wir teilen jeden Abend ein traditionelles, hausgemachtes Dinner, das von den Frauen einer omanischen Familie hier im Dorf gekocht wird. Bei den Gesprächen am Tisch haben unsere Gäste die Möglichkeit, Fragen über das Leben im Oman zu stellen. Manchmal gesellen sich auch unsere omanischen Freunde zu uns auf einen Tee auf der Dachterrasse. Es ist uns wichtig, dass unsere Gäste die omanische Kultur kennenlernen und verstehen — wir hatten schon viele lange Gespräche mit unseren Gästen. Und es ist auch die Gelegenheit, sich mit anderen Reisenden auszutauschen und neue Freundschaften zu schließen.
Für unsere Gäste stellen wir eigene Marmeladen und Chutneys aus unserem eigenen Garten her. Manchmal experimentieren wir mit Dattelkakao oder anderen gesunden Süssigkeiten. Täglich gibt es frischgebackenes Brot oder auch mal einen Dattelkuchen. Und wer noch kein Halwa gekostet hat, bekommt unsere Lieblingsmarke hier zum kosten. Zusätzlich beziehen wir lokale Produkte von Bauern und Familien aus der Umgebung, wie Honig, Dattelsirup, Datteln, Gemüse oder Käsemischungen — oder aus anderen Regionen im Oman, wie unsere Seife aus Kamelmilch und Weihrauch aus Salalah.
Unsere Souvenirs werden alle von einheimischen Künstlern hergestellt, und weil wir Tiere lieben, fließen die Einnahmen aus dem Souvenirverkauf komplett in den Tierschutz der Straßentiere rund um Bait al Aali. Unsere Straßenkatzen vor der Tür sind deshalb alle kastriert. Wir haben auch schon Hunde gerettet und vermittelt — beide leben inzwischen ein Luxusleben in Deutschland.
Auch wenn es schwierig ist, Plastik im Oman ganz zu vermeiden, versuchen wir es im Bait al Aali zu minimieren. Unser Wasser kommt aus natürlichen Quellen und hat Trinkwasserqualität. Wir bieten unseren Gästen gefiltertes Wasser aus Glasflaschen an und freuen uns, wenn sie sich ihre eigenen Flaschen abfüllen und mitnehmen. Wo wir Plastikverpackungen vermeiden können, tun wir es — und wo es nicht geht, versuchen wir, die Verpackung anderweitig weiterzuverwenden.
Am Ende ist es genau das, was mich all die Jahre am Reisen am meisten geprägt hat: nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern die Menschen, die einen an ihrem Tisch, in ihrer Küche oder auf ihrer Dachterrasse willkommen heißen. Genau das versuchen wir mit Bait al Aali weiterzugeben. Wer zu uns nach Al Hamra kommt, soll nicht nur ein altes Lehmhaus und eine Palmenoase sehen, sondern ein Stück echtes omanisches Leben mit uns teilen. Come as guests, leave as friends — das ist kein Spruch auf einer Fußmatte, das ist, wie wir Bait al Aali führen.